Martin Fankhauser - Dorf 130 - 6283 Schwendau - Österreich - Tel: +43 (0) 664 1983150 - E-Mail: mk.fankhauser@aon.at


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Die hohe Kunst des Schnapsbrennens

Von der Frucht bis hun zum edlen Tropfen ist viel traditionelles Wissen und hohe Professionalität gefragt. Martin Fankhauser, Schnapsbrenner in der vierten Generation, gewährt Einblicke in seine Arbeit. Martin Fankhauser hat seine Brennkünste mit ingesamt 51 Auszeichnungen für Edelbrände zwischen 2005 und 2009 unter Beweis gestellt – sowohl bei der Landesmeisterschaft für bäuerliche Brände wie bei internationalen Verkostungen. 2007/2008 wurde er auf der Destillata, der größten internationalen Obstbranntprämierung, mit drei mal Silber und dreimal Bronze vor allem für den Meisterwurz und die Williamsbirne geehrt.

Wasser, Hitze und Kühlung sind die Bestandteile des alchemistischen Prozesses, der sich in der Brennanlage abspielt.

Der Brennkessel wird mit Holz befeuert, das über Wochen vergorene Obst – die Maische - in die Brennblase gefüllt und langsam auf 76 Grad Celsius erhitzt. Bei dieser Temperatur beginnt der Alkohol zu sieden und steigt in Form von Dampf auf dem Obstgemisch in den sogenannten Helm auf. In den Kühlrohren wandelt sich der Dampf wieder in Flüssigkeit und der Alkohol fließt langsam in das Auffanggefäß.

Die kunst des Schnappsbrennens ist knapp tausend Jahre alt. Im Zillertal wird sie über Generationen hinweg praktiziert. Dort war zunächst vor allem der Birnenschnaps verbreitet. Das gute Obst ging in den Verkauf und nur das nicht mehr verkäufliche Fallobst wurde zu Brand verwertet, den die Bauern zum Eigengebrauch herstellten. Heute gibt es im Zillertal zahlreiche bäuerliche Brennereien, von denen sich einige auf die Herstellung qualitiv hochwertiger Destillate spezialisiert haben – darunter Martin Fankhausers Stiegenhaushof-Brennerei in Schwendau.

VON DER MEDIZIN ZUM GENUSSMITTEL

„Früher war der Hochprozentige vor allem Medizin. Den hat man nur schluckweise getrunken oder man hat sich damit eingerieben“, erzählt Martin Fankhauser. „Arnikaschnaps verwendet man heut noch gern zum Einreiben, wenn man Gelenkschmerzen hat. Und Kräuterschnaps hat man früher den Kühen nach dem Kalben verabreicht und zum Desinfizieren der Nabelschnur verwendet. Die älteste Quelle, in der das „aqua vitae“ (Lebenswasser) in Tirol erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1322. Doch erst im 17. Jahrhundert stieg die Produktion rasant an, da Schnaps zu einem volkstümlichen Genussmittel wurde. In manchen Alpentälern grassierte gar die „Schnapspest“ und von staatlicher Seite begann man mit Aufzeichnungen über die Brenner und verlangte eine Art Getränkesteuer. Vor dem Zweiten Weltkrieg servierte man Schnaps zudem im Wirtshaus, da er eine billige Alternative zum damals verhältnismäßig teuren Bier war. Heute ist die Produktion verfeinert. Nur gesunde, reife und saubere Früchte mit ausgeprägtem sortentypischen Aroma und hohem Zuckergehalt können zu Schnaps von höchster Qualität veredelt werden. Der weg verläuft vom Baumschnitt über die Obstauswahl bis in die Flasche und bedarf der Pflege, Hingabe und eines hohen Erfahrungswertes. Im Unterschied zu gängigen Spirituosen sind Edelbrände schließlich auch frei von zugesetztem Zucker oder künstlichen Aromen, die häufig in
industriell erzeugten Spirituosen enthalten sind.

DER WEG INS GLAS

Von Juli bis September fällt die Ernte an: erst Kirschen, dann Äpfel, Birnen, Quitten, Zwetschken, aber auch jede Menge Beeren wie Hagebutten, Preiselbeeren oder Wacholder. Fallobst sowie Früchte aus täglicher Ernte werden sortiert, gesäubert und zerkleinert. Vergärte früher das Obst noch in Holzfässern im Stall, weiß man heute, dass warme Temperaturen zu Aromaverlust führen und das zerkleinerte Obst, die sogenannte Maische, den Geruch der Umgebung aufnimmt. Deshalb lagert Martin Fankhauser seine Maische drei bis vier Wochen in kühlen Tanks, sodass das Obst schonend vergären kann und das Aroma zur Gänze erhalten bleibt. „Nur die Vogelbeere mag es gerne warm. Sie gärt bei 20 grad Celsius“, klärt der Schnappsbrenner auf. Destilliert wird für gewöhnlich zwischen Herbst und Weihnachten. Doch nicht jeder darf einfach so Schnaps brennen. Dazu muss einem das Brennrecht verliehen werden. Die Familie Fankhauser erhielt das Brennrecht unter Kaiserin Maria Theresia.
 „Früher musste eine Abfindung in Form von Alkohol an die Kaiserin entrichtet werden, heute melde ich einen Brenndurchgang bei der Behörde an und zahle die Abfindung pro Hektoliter Maische an das Finanzamt". Brennen darf Martin dann nur innerhalb eines genau festgelegten Zeitrahmens, wobei die Produktion im Jahr auf 300 Liter Schnaps begrenzt ist. Diesen darf er ab Hof oder an die Gastronomie verkaufen. Das unterscheidet Martin Fankhauser vom gewerblichen Brenner, der eine unbegrenzte Menge Alkohol herstellen und frei verkaufen kann.
Das Highlight der Schnapsproduktion im Zillertal ist der Meisterwurz-Edelbrand - der Magen-Darm-Trunk. Die Wurzel gräbt Fankhauser im Herbst auf der Ahornspitze, einem nahe gelegenen Berg, aus, reinigt und zerkleinert sie und lässt sie mit der Apfelmaische vergären. Dadurch wird der herbe Geschmack der Meisterwurz mit der zarten Süße des Apfels verfeinert und bietet einen guten Abschluss nach einer deftigen tradtionellen Speise.


Artikel übernommen aus
: Zillertal.at Magazin - Edition 04 - Winter 2009/2010.